Xiaomi Mi Staubsaugroboter / Roborock Sweep One S50

Ich habe länger überlegt einen Staubsaugroboter zuzulegen, aber zunächst war die Wohnung nicht geeignet und dann wusste ich nicht welchen. Natürlich wollte ich auch kein Datenmonster. Umso neugieriger war ich, als für den 34c3 ein Staubsaugrobotertalk angesetzt wurde und dass noch mit meinem damaligen Favoriten, den Xiaomi Mi Staubsaugroboter. Den Talk fand ich durchaus interessant, zumal die Sicherheit nicht komplett in die Hose gegangen ist, wie es scheint, und es trotzdem möglich sein soll, den Robo zu rooten und ein wenig damit rumzuspielen. Wie spricht man aber überhaupt Xiaomi aus?

Neugierig wurde ich, als die ersten Tests für den Roborock Sweep One S50 auftauchten. Zur Namensverwirrung: Roborock ist der Auftragshersteller für Xiaomi bei der ersten Generation des Saugroboters gewesen. Nun hat man sich offenbar dazu entschieden, unter eigener Flagge aufzutreten. Beide verwenden aber dieselbe App, Mi Home. Der Roborock S50 ist somit der Nachfolger vom Xiaomi Mi und hat zudem eine Wischfunktion, die zumindest nicht komplett umsonst sein soll. Zudem soll der Robo laut Spezifikation Türschwellen von 2 cm schaffen, was als zusätzliches Kaufargument in der Wohnung zu sehen ist. Ansonsten sollen die Sensoren verbessert, aber ansonsten nicht zu viel geändert worden sein. Die Entscheidung fiel der Faulheit halber und auf Grund der Türschwellen auf den Roborock Sweep One S50. Inzwischen gibt es deutlich neuere Modelle, aber ich bin noch immer zufrieden mit dem selbst gekauften Staubsaugroboter (falls jemand wegen Schleichwerbung daher kommen sollte). Auch jetzt kann ich empfehlen auf Angebote zu achten. So habe ich auch etwa 100-150 Euro gespart. Einzig nervig dürften Reparaturen werden, wenn denn mal welche auftauchen sollten. Bis jetzt hatte ich Glück.

Erster Eindruck

Sweep One S50 Sweep One S50 Sweep One S50

Am höchsten Punkt misst der Robo 9,5 cm und das Teil wiegt etwa 3,5 Kilo. Verschiedene Sensoren sorgen dafür, dass der Robo halbwegs sicher durch die Wohnung navigiert. Am auffälligsten ist der 360° Sensor, der nach oben rausschaut. Weitere Sensoren sind u.a. Ultraschall- und Infratorsensoren, Gyroskop, Beschleunigungssensor und ein elektronischer Kompass. Der Roborock fährt zunächst die Ränder des Zimmers ab, um anschließend das Innere mäanderförmig abzufahren. So geht er pro Raum vor, außer wenn der Raum größer ist, dann unterteilt er den Raum in Rechtecke. Hindernisse erkennt er überraschend gut und fährt nur selten gegen Möbel. 2 cm Schwellen schafft er, manchmal nicht auf Anhieb, aber er sucht sich eine Stelle, die ihm passt. Sind zu viele Haare in der Bürste verhangen, kann es auch sein, dass der Roborock streikt. Ansonsten liebt er noch Kabel.

Für die Navigation nutzt der Robo die SLAM (Simultaneous Localization and Mapping)-Technologie, d.h. er erstellt für sich eine eigene Karte der Umgebung und erkennt in dieser seine aktuelle Position. Wenn er merkt, dass ihm der Strom ausgeht, fährt er zurück zur Ladestation. Der Akku reicht für eine mittelgroße Wohnung auf einmal. Im Werkszustand fährt der Sauger im Balanced-Modus, dem zweitleisesten Modus, der finde ich schon einiges wegsaugt. Nachfolgend die unterschiedlichen Modi mit der Lautstärke in dB, die man per App auswählen kann:

  • Quiet: 66 dB
  • Balanced: 68 dB
  • Turbo: 69,5 dB
  • Max: bis zu 75 dB

Das Wischergebnis ist nicht so gut, wie wenn man selbst wischt, da er nicht genug Druck aufbauen kann. Es reicht aber, um leichtere Flecken wegzuwischen und es entstehen keine Streifen. Für die Grundsauberkeit also praktisch, Ränder und hartnäckige Flecken muss man weiterhin per Hand wegwischen.

App

Die Grundfunktionen sind direkt am Robo verfügbar. Um beispielsweise Saugzeiten festzulegen, die Raumkarten zu sehen oder No-Go-Areas zu definieren, braucht es die Mi Home App von Xiaomi. Dafür muss man zwingend einen Xiaomi-Account erstellen und ihn in ein Wlan hinzufügen. Ein weiterer Grund, ihn mit dem Wlan zu verbinden ist, dass er ein offenes Wlan ausstrahlt (zumindest kann man damit nicht allzu viel anstellen, aber man will ja nicht, dass jemand anderer den Robo bedienen und über die App mehr Infos über die Wohnung bekommen kann). Hierfür wurde das Gästewlan mit einer Firewall eingerichtet. Neben der offiziellen Xiaomi App kann man auch eine alternative App von Flole verwenden. Wir schauen uns beide kurz an.

In der Xiaomi App, die übrigens massig Berechtigungen will und ein schönes Mischmasch aus Englisch und Chinesisch spricht, muss man sich auf einen Standort der Server festlegen. Wechsel des Standorts bedeutet, dass man den Robo neu ins Wlan verbinden muss, da natürlich alle Daten auf dem ausgewählten Server liegen. Nachdem der Robo erkannt und das Wlan eingerichtet ist, kann man auf die volle Palette an Funktionen zugreifen, z.B.:

  • Raumkarten anzeigen und mehrere Einstellmöglichkeiten dazu: Modus Go, Modus Zoned cleanup, Häufigkeit an Reinigungen in einem Bereich, No Go Zones usw.
  • Erstellen von Timern für zeitgesteuertes Reinigen
  • Einstellen der Saugkraft (Quiet, Balanced, Turbo und Max)
  • Fernbedienung (Joystick oder klassisch)
  • Anzeige der Betriebsstunden und Wartungsintervalle
  • Möglichkeit, Ersatzteile zu kaufen (irgendwann)

Daten

Server? Viele Daten? Daten können abwandern? Also eine Firma kann Datenreichtum haben? Tja, dann sind wohl die Möglichkeiten der App nicht immer das goldene vom Ei. Man kann, nachdem der Robo gepaart und das Wlan eingerichtet ist, die meisten Berechtigungen der App auf Android entziehen, ohne dass es Probleme bereitet.

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Das sind auch Gründe, warum ich mir zumindest mal die App von Flole angeschaut habe. Nach mehreren Problemen, klappte die Einrichtung. Die Funktionalitäten wurden auch erweitert. Zum damaligen Zeitpunkt konnte die App leider keine Wohnungskarten auslesen, aber die Basisfunktionalitäten klappten. Seitdem habe ich aber auch keine App mehr verwendet und der Robo hängt nicht im Internet.

Links und sonstiges Lesematerial

Natürlich wollte ich nicht nur eine App verwenden, sondern auch den Staubsauger rooten. Ich bin fasziniert, welche Community sich um die Staubsaugroboter aufgebaut hat. Ich habe für euch ein paar Links, die mit den aktuellen Versionen auch noch interessant sind

Rooten

Anleitung befolgen und das wars? So einfach ist das inzwischen nur leider nicht. Xiaomi scheint immer wieder die Hürden etwas höher zu setzen. Mein Problem bei meiner Version war das Token. Um eine Firmware auf den Staubsaugroboter zu spielen, braucht es ein Token. Das Token wird freundlicherweise nach jedem Wlan-Reset erneuert. Laut der damaligen Anleitung sollte man das Token mit Python-miio erhalten, aber aus welchen Gründen auch immer klappte es nicht. Python-miio ist eine nerdige Möglichkeit Reinigungszeiten und andere Einstellungen über die API festzulegen – ohne App, dafür auf der Konsole. Wenn man denn mal das Token hat.

Nachdem ich alle verschiedenen Varianten durchprobiert habe, an das Token zu kommen, bin ich fast verzweifelt. Entweder kamen lauter f’s zum Vorschein – also Token schon vergeben, aber wird nicht angezeigt – oder es wurde gleich gar nicht angezeigt. Die Lösung brachte eine ältere Mi Home App für Android. Version 5.0.19 installiert, den Staubsaugroboter hinzugefügt und dann ein Backup von com.xiaomi.smarthome mit adb gezogen. Dieses entpackt und siehe da, ich habe ein Token in der Datenbank!

com.xiaomi.smarthome ist auch an sich finde ich interessant. So sieht man, was alles gespeichert wird. Je nach App-Version hat man leicht unterschiedliche Ordner. Bei den neueren Versionen sind das a, db, ef, f, r und sp. a ist bei anderen App-Versionen nicht dabei.

  • db: Datenbanken, mit geofencing.db, logdb.db, miio.db, miio2.db, mistat.db, phone_num3.db, roborock_rubys.db, ua.db miio2.db enthält u.a. die ID, Firmware Version, IP, Modelname, Koordinaten, Name des Robos (selbstgewählt), MAC-Adresse, SSID und Token.
  • f: Settings für die Kommunikation mit .io.mi.com, Zertifikate, Signaturen für die eigene Überprüfung, Authtoken für die Passportapi usw.
  • sp: einige XMLs, wie zukünftige Verbindung mit Facebook, Statistiken, die wohl an Xiaomi gehen (wie App-Version) und Konfigs für die App

Linux habe ich allerdings noch nicht auf den Staubsaugroboter installiert. Irgendwie kamen immer andere Projekte dazwischen.